von Matthias Hell
Wie unsere wöchentliche Umschau zu den strukturellen Umbrüchen im Buchmarkt zeigt, steht der Publishing-Bereich mitten in einem Wandel, dem vor allem deshalb besondere Signalwirkung zukommt, da es sich um eine zweifache Umwerfung handelt: das Internet verändert nicht nur die Vertriebswege in der Verlagsbranche, sondern unterwirft auch das Medium Buch einem Wandel – wobei das eBook nur den Ausgangspunkt für eine Vielfalt an deutlich spannenderen Neuinterpretationen des Trägerformats darstellt.Den Jahreswechsel haben die Blogs und Fachmagazinen zum Anlass genommen, um noch einmal die wichtigsten Veränderungen im Publishing-Bereich aufzuarbeiten und in die Zukunft zu blicken:
Mit einer Reihe von Themen-Rückblicken lässt Buchreport das Jahr Revue passieren: Das Spektrum reicht dabei vom großen Disruptor Amazon ("Der dauernde Störenfried") und den „reagierenden Verlagen“ bis hin zu einem Überblick über die zukunftsgerichteten neuen Publishing-Ansätze ("Die vielfältige E-Vermarktugn"). Nicht fehlen darf außerdem die fortlaufende Malaise der überdimensionierten stationären Buchhandelsketten ("Der verschärfte Rückbau").
Welche wichtigen Trends einflussreiche britische Verlagsmenschen für 2013 erwarten, listet Futurebook auf. Neben einer weiteren Konsolidierung der Verlagslandschaft wird verbreitet eine wachsende Vielfalt an Verlagsmodellen und Publishing-Optionen für Autoren prognostiziert. Vor allem dem Self Publishing wird dabei eine potenziell strukturverändernde Rolle zugebilligt, wie Orna Ross von der Alliance of Independent Authors bekräftigt:
„Next year will see more writers, published and unpublished, choosing the self-publishing option and a growth in the ‘hybrid’ author, who uses trade publishers for selected projects, self-publishing for others.”
Einen ähnlichen Standpunkt vertritt auch „The Future of Publishing“-Blogger Thad McIlroy – einer der Experten, den The Literary Platform für seinen Jahresrück/ausblick versammelt:
„The news media sides with the big publishers in continuing to treat self-publishing as a kind of childish prank, precocious because it’s sometimes outrageously successful. They’re not recognizing that the shift is the story. The dynamic within the self-publishing market tell us far more about the future of publishing than anything the big five or four or three might do.”
Paid Content setzt bei seinem Ausblick dagegen erwartungsgemäß auf der Formatebene an und wirft ein besonderes Augenmerk auf die Kategorie e-Singles. Für den Online-Dienst sind e-Singles „the format for our time“:
„Here’s why: E-singles are a true digital-native format. They don’t cannibalize other formats.“
Einblicke auf Personenebene bieten schließlich die „Notables of 2012“ von Publishers Weekly. Neben den Chairmen der fusionierenden Verlagsriesen Random House und Penguin zählt dazu auch Kobo-Chef Michael Serbinis. Der Rakuten-Company wird noch am ehesten zugetraut, der Online-Übermacht von Amazon entgegenzutreten und dabei ein alternatives, stärker partnerschaftlich ausgerichtetes Modell zu etablieren.
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