von Matthias Hell
Auf der weltgrößten Buchmesse trifft sich dieser Tage eine Branche im Umbruch. Wie es sich bei einem Anlass dieser Größenordnung gehört, geht es auch in Frankfurt nicht ohne Superlativen und drastische Beschreibungen. Von einem „Urknall im Publishing“ hat Messe-Chef Juergen Boos bei der Eröffnungspressekonferenz gesprochen und eine „Roadmap“ des Wandels vorgelegt, die allerdings so kompliziert ist, dass ein Ziel nur schwer erkennbar ist. Wesentlich konkreter sind da die Auflistungen der zehn bestimmenden Messe-Themen, die sowohl Buchreport wie auch Publishing Perspectives veröffentlicht haben.
Wie Media Control zur Buchmesse mitteilte, liegt der eBook-Anteil auf dem deutschen Buchmarkt zwar erst bei zwei Prozent, doch legt der steigende eReader-Absatz ein starkes Wachstum nahe. Während selbst Kulturpessimisten inzwischen ein unaufgeregtes Verhältnis zum digitalen Buch an den Tag legen, haben neue Geräte das Potenzial, hier für einen weiteren Schub zu sorgen. Dazu zählt auch der in Frankfurt präsentierte Mini-eReader txtr, der zu einem Preispunkt um 10 Euro auf den Markt kommen soll.
Vom Umschlagplatz für Buchrechte zum Marktplatz für Storytelling
Noch wichtiger als die technische Entwicklung ist aber, dass sich auf der Buchmesse der Fokus vom klassischen Buch hin zur crossmedialen Content-Vermittlung verschiebt. „Das Buch steht zwar noch im Mittelpunkt der Messe, es geht jedoch schon lange um mehr“, resümiert Verlagsberater Ehrhardt Heinold in einem Blogbeitrag. Über die neue „Verwertungskette vom Buch und Lese-App bis hin zu Film und Game“ berichtet e-book-news:
„Die Buchmesse setzt voll auf diesen Trend – und hat sich im Kern vom Umschlagplatz für Buchrechte zum Marktplatz für Storytelling gemausert.
Dabei wird in den Frankfurter Messehallen doch immer deutlicher: der eigentliche Veränderungsfaktor sind gar nicht elektronische Bücher, sondern die disruptiven Kräfte der Internet-Ökonomie. Das führt zu neuen Akzentsetzungen – stellt sich doch die Frage, was in Zukunft eigentlich überhaupt das Geschäftsmodell hinter dem jeweiligen Content sein soll.“
Mit Plattformen wie den Frankfurt SPARKS und der StoryDrive Konferenz versucht die Buchmesse Antworten auf diese Frage zu präsentieren – und erzielt damit ein beachtliches Medienecho: So berichtet der Focus über Enriched Books, gibt es bei der Haltener Zeitung Informationen zu Publishing-Entwicklungen im Kinderbuch-Bereich und widmet sich der Stern dem Thema Self Publishing. Den kurzweiligsten Überblick über die in Frankfurt vorgestellten neuen Erzähl- und Präsentationsmöglichkeiten liefert dabei kurioserweise Bild.de.
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Es stimmt schon, die Buchproduktion verlagert sich hin zum Crossmedialen. Bedauerlich nur, dass alle Reader-Konzepte den Handel und vor allem den Kunden oder Leser nicht einbeziehen: Ein "Bücher Tanken" im Buchladen ist auf Grund von Rechtemanagement kaum machbar. Händler verweisen Leser also ins Internet und damit zu ihrer Konkurrenz. Wie wirtschaftlich ist das denn? Nachrüsten? Neue Konzepte zur Vermarktung des Buches? Lassen Verlage aber auch Handel außen vor. Und selbst die klassischen Medien, die sich gerne als Trendsetter sehen, verdrängen das Thema. Wer hat denn schonmal unter einer Buchkritik gelesen, in welcher Form ein Buch vorliegt. Neue eBooks - kein Thema der Zeitungen. Neue Verlage? Schon gar nicht. Der Leser, bleibt auf der Strecke: Stöbern in Büchern, Neues entdecken - also anhand von Leseproben ist das nur der halbe Spaß. Die Selbstreferenz des Internets ist nicht dazu gemacht, mich auf Neues aufmerksam zu machen. Und Verlage wie Handel kümmern sich um Themen die zweitrangig sind. Erstrangig wäre docg: Wie kommt die neue, digitale Lektüre komfortabel zum Leser? Über Amazon und seinen Markptlatzverhau etwa?
Kommentiert von: Susanne Vieser, Text, Art & Konzept | 15. Oktober 12 um 09:27 Uhr