von Matthias Hell
„What we’re trying to do is to look at all the places that you can consume content on and to try to tell [J.K. Rowling’s „Harry Potter“] stories or experience parts of those stories in the way that fits the functionality of those devices.“
Im Video-Interview mit Buchreport gibt Pottermore-CEO Charlie Redmayne nicht nur Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung der „Harry Potter“-Vermarktungsplattform, sondern erklärt auch das dahinterstehende Publishing-Verständnis.
Neue Vertriebsmodelle
Self Publishing: Die US-Autorin Barbara Freethy hat mit ihren über die PubIt-Plattform von Barnes & Noble veröffentlichten Büchern die Absatzschwelle von 1 Million Exemplaren erreicht (Pressemitteilung) und stößt damit in den immer größer werdenden Club der Self Publishing Millionäre vor. In Zahlen belegt der Bibliografie-Service Bowker den Trend zum digitalen Selbstverlag: Mit 235.000 in 2012 selbstpublizierten Büchern hat sich dieser Wert seit 2006 nahezu verdreifacht (Pressemitteilung).
The Humble Bundle Fünf Bücher im Paket zu einem Pay-what-you-want-Preis, das ist das Prinzip der E-Book Plattform The Humble Bundle. Bei der bisher letzten zweiwöchigen Verkaufsaktion sind so mehr als 1,2 Mio. Dollar zusammengekommen, zehn Prozent davon zugunsten der Charity-Organisation Child’s Play. In der Verlagsbranche schlackert man noch mit den Ohren. (The Humble Bundle)
Chicago Tribune: Eine vernünftige Alternative zu dem üblichen Umgang mit Archivmaterial hat sich die US-Tageszeitung Chicago Tribune überlegt: Redaktionell aufbereitet erscheinen einzelnen Themenkomplexe als eBooks. Zum Start sind bereits 50 Titel geplant. (via Publishers Weekly)
Neue Erzählformen
Margaret Atwood: Die kanadische Schriftstellerin veröffentlicht gemeinsam mit der Computerspiel-Autorin Naomi Alderma einen Zombie-Roman als frei zugängliche Fortsetzungsgeschichte auf der Story-Plattform Wattpad. (via Guardian)
Animierte Buch-Cover: Das Comeback der animierten GIFs zählt nicht nur zu den seltsameren Web-Phänomenen, jetzt empfiehlt auch noch Good eReader animierte Buch-Cover als ultimative Distinktionsmerkmale im uniformen Umfeld von E-Book Stores:
„Cover art should incorporate media elements that would allow authors to be distinctive and give them an advantage over the competition.”
Struktureller Wandel
Amazon: Für einmal machte nicht die im dritten Quartal erzielte Umsatzsteigerung von 27 Prozent die Schlagzeilen, sondern der Nettoverlust von 264 Mio. Dollar, den Amazon für den Zeitraum ausweist. Zwar handelt es sich dabei größtenteils um Abschreibungen in Folge der Living Social-Übernahme, doch gerät auch Amazons Strategie von Medienverkäufen mittels „subventionierter“ Hardware immer mehr in die Kritik (via Wall Street Journal)
Apple: Unterdessen zeigt Apple, dass man durchaus mit Hardware Geld verdienen und gleichzeitig die Marktstellung im Medienbereich ausbauen kann: Bei der Präsentation des neuen iPad Mini stellte Apple auch Updates für seine höchst erfolgreichen Plattformen iBooks und iBooks Authors vor. (via Techcrunch)
Buchhandel im Umbruch
Waterstones: Der britische Filialist Waterstones verkauft in seinen Buchhandlungen ab sofort Amazons Kindle-Geräte. Waterstones-Chef James Daunt bemüht sich im BBC-Interview mit einer pragmatischen Weltsicht den Vorwurf zu entkräften, die Buchkette beschleunige damit ihren Untergang:
„All that we have to do is encourage people to come into our shops and to choose the books. I don't frankly care how they then consume then, or read them, or indeed buy them. But if you spend time in my shops, and you really enjoy it, and you come back more often and spend longer - you're going to spend money in my shops.”
Filial-Rückbau: Eine andere Sprache spricht der von Buchreport erstellte aktuelle Filialatlas des Buchhandels: Demzufolge trennt sich der deutsche Filialbuchhandel 2012 von knapp 40.000 qm Verkaufsfläche. Vor allem in NRW und Berlin seien die Buchketten dabei, sich von überfliegenden Träumen zu verabschieden. (via Buchreport)
Unter der Rubrik Buchlos in die Zukunft bringen wir jede Woche das Spannendste zu den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche.
Frühere Beiträge zum Thema:



Neue Vertriebsmodelle bedingen aber bei uns in Deutschland oftmals die Abschaffung der sinnlosen Buchpreisbindung.
Als Autor im Selbstverlag werde ich in meiner unternehmerischen Freiheit eingeschränkt. Fast alle Branchen dürfen selbst entscheiden, wem und wo sie Rabatte einräumen, wie sie ihre Produkte vermarkten und finanzieren, aber mir werden durch die Buchpreisbindung effektive Marketingwerkzeuge und neue Erlösmodelle vorenthalten.
Allerdings sind wir von der Abschaffung dieser Zwangsjacke weit entfernt. Zu viele Lobbyisten genießen noch zu viele Vorteile und wissen sehr gut, ihre Pfründe zu schützen.
Kommentiert von: Andreas Frank | 31. Oktober 12 um 14:00 Uhr