von Matthias Hell
Zum Einstieg präsentieren wir diese Woche Leander Wattigs aktuelles „Bullshit-Bingo zum Buchmarkt“, das in perfekter Verknappung einige der populärsten Irrtümer und Vorurteile der Publishing-Branche vereint:
Neue Vertriebsmodelle
Amazon: Auf Werbetour, um die neuesten Kindle-Modelle in Europa zu promoten, bekräftigte Amazon-Chef Jeff Bezos in mehreren Interviews seine Strategie der Kundenbindung durch den Aufbau einer eigenen Plattform. Am prägnantesten brachte dies Bezos gegenüber der BBC zum Ausdruck:
„We sell the hardware at our cost, so it is break-even on the hardware. We want to make money when people use our devices, not when people buy our devices.”
BookShout: Kundenseitig führt Amazons Modell eines geschlossenen Ökosystems allerdings zu einigen Frustrationen. Der Service BookShout ermöglicht es Nutzern nun, eBooks verschiedenster Herkunft innerhalb eines Systems zu lesen – für O’Reilly-Manager Joe Wikert ein lang ersehnter Fortschritt:
„You can now import your Kindle and Nook ebook purchases into the BookShout social reader platform. I just moved all my Kindle ebooks into it. What a liberating experience. I was half-tempted to open my hotel window and yell out, “Mr. Bezos, tear down this wall!”
Yudu: Das plattformübergreifende digitale Publishing stellt auch der Dienstleister Yudu Media in den Mittelpunkt und wendet sich scherpunktmäßig an Hersteller von angereicherten eBooks im Bildungsbereich. (via The Bookseller)
Neue Erzählformen
Coliloquy: Das Prinzip „Choose your own adventure“ kennt der eine oder andere noch aus den guten alten Rollenspiel-Büchern. Coliloquy hat das Modell nun für eBooks adaptiert – inklusive Autoren-Feedback und Analyse-Funktionen. (via Publishing Perspectives)
eBook Shorts: Bisher werden Kurz-eBooks à la Kindle Singles noch über den reduzierten Preis vermarktet. Doch sollte das Prinzip „kurz und auf den Punkt“ nicht als eigenes Wertversprechen betrachtet werden? (via TOC)
Struktureller Wandel
Amazon vs. Google: Hat sich die Publishing-Branche zu lange auf das falsche Feindbild eingeschossen? Im Gegensatz zu Amazon habe Google das Zeug zum Verbündeten der Verlage, meint Rüdiger Wischenbart im Perlentaucher-Blog:
„Mit Pauken, Trompeten und teuren Anwälten in Europa und USA gingen sie gegen die - gewiss: nassforsche - Digitalisierungskampagne des Internetgiganten Google vor, statt sich darüber einen starken Hebel zu erstreiten, um aus digitalen Büchern ihr Geschäft für die Zukunft abzusichern.“
Rovio: Neue Player entdecken das Publishing-Geschäft: Mit der App Angry Birds eroberte sich Rovio ein Millionen-Publikum. Nun hat das Unternehmen seine erste Koch-App präsentiert. (via Good eReader)
Buchhandel im Umbruch
Thalia: Eine „Beichte hat Thalia-Chef Michael Busch in der FTD abgelegt: Zu viele, zu große Standorte und Versäumnisse im eBook-Geschäft hätten die Buchkette geschwächt. Trotzdem glaubt Busch noch an die Trendwende im kommenden Jahr.
Ex Libris: Auch die Schweizer Buch- und Medien-Kette Ex Libris – eine Migros-Tochter – spürt den Gegenwind im Filialgeschäft: In den kommden 18 Monaten will man bis zu 30 von bisher 113 Filialen schließen. (via DRS)
Ocelot: Unter dem Motto „Not just another bookstore“ ist die Berliner Buchhandlung Ocelot in diesem Jahr angetreten, um den Negativtrend der Branche zu widerlegen. Nun hat das Buchgeschäft auch einen zeitgemäßen Onlinestore der anderen Art eröffnet. (Pressemitteilung)
Unter der Rubrik Buchlos in die Zukunft bringen wir jede Woche das Spannendste zu den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche.
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