Wie heute bereits kurz getwittert: "Wer wachsen will, macht Pure Play, wer nicht verlieren will, Multi-Channel."
Für den deutschen E-Commerce ist der 30.3.2011 ein historischer Tag. Denn die Metro-Gruppe ist in Form von Media Saturn nun das erste deutsche Handelshaus, das mit der Übernahme von Redcoon ernsthaft, d.h. nicht nur in Worten, sondern auch in Taten, signalisiert: "Wir haben ernsthafte Online-Ambitionen!"
Redcoon ist für Media Saturn sicherlich ein sehr teures Vergnügen und natürlich auch das Eingeständnis: "Wir schaffen es nicht aus eigener Kraft". Doch mit einem Pure-Player wie Redcoon an Bord ist die Media Saturn Holding nun optimal für die (Online-)Zukunft gerüstet.
Denn selbst wenn die Media- und Saturn-Märkte offline weiter verlieren und aufgrund ihrer strukturellen Defizite online nicht zu Potte kommen, hat Redcoon im Media Saturn Verbund das Potenzial, die Media Saturn Gruppe in die Zukunft zu führen.
Der Online-Markt wird in den kommenden 10 Jahren explodieren (s. Analysen und Statistiken zur Strategiefindung), wie sich das offenbar nur ganz wenige vorstellen können. Deshalb wird sich das Investment in Redcoon für Media Saturn in jedem Fall auszahlen, zumal bei einem angestrebten Börsengang.
Erwartungsgemäß hat sich Media Saturn für ein eher konservatives Übernahmeszenario entschieden. Da wäre aus strategischer Sicht sicherlich noch mehr drin gewesen. Aber auch so sind hier schon jede Menge Leute über ihren Schatten gesprungen. Gut so. Hut ab vor diesem Geniestreich!
Nach Dress-for-less ist Redcoon der zweite, geniale Exit innerhalb weniger Wochen. Es besteht also doch noch Hoffnung für den deutschen E-Commerce. Hoffentlich lassen sich viele davon inspirieren!
- Bestätigt: Media Saturn schnappt sich Redcoon
- Media Saturn peilt 2 Mrd. Euro Online-Umsatz für 2014 an
- Media Saturn: Die strategischen Optionen für Media Markt
- Redcoon-Exit: Media Saturn ist für Redcoon nur eine Option
- Media Saturn nimmt drei Online-Kandidaten in engere Wahl
- Saturn vs. Redcoon: Wer wird der Media Markt im Internet?
- Shopbörse: Redcoon Umsatzentwicklung 2005-2008





Jochen, der Kauf-/Verkauf von Redcoon ist sicherlich aus vielerlei Gruenden bemerkenswert. Warum der Fakt, des es ein gelungener Exit ist, so hervorzuheben ist, verstehe ich nicht. Das ist doch erst mal nur fuer das Bankkonto der Ex-Besitzer interessant.
Ich hab's schon ein paar mal gesagt: man hat das Gefuehl, dass die spannendsten Geschichten immer diese sind: Gruendung -> Multi-Mio-VC -> Exit. Und das am besten noch innerhalb von 18 Monaten. Wo bleiben die Stories, wo die Gruender ohne VC mit einem Geschaeftsmodell 30% Umsatzrendite erzielen und NICHT verkaufen?
Kommentiert von: Claus | 31. März 11 um 08:20 Uhr
Nicht genial sondern naheliegend!
Die Übernahme eines etablierten Players wie Redcoon war die für MSH naheliegendste Strategie. Nun mag MSH plötzlich Online Potenzial / Kompetenz durch Redcoon im Hause haben, dieses Potenzial muss MSH aber erst mal heben! Und natürlich, mögen bei MSH viele über ihren Schatten oder gleich die Klinge gesprungen sein, aber dieses als "Geniestreich" zu bezeichnen ist doch etwas übertrieben, oder?
Kommentiert von: Matthias | 31. März 11 um 09:18 Uhr
Glaube auch, dies war naheliegend. Ich vermute Jochen meint auch mehr wie genial ist das, es dann auch zu machen...:-). Der komplizierte Part kommt aber erst noch. Nennt sich Umsetzung. Trackrecord des Hauses zu dem Thema ist ja bekannt schlecht. Traue den Kollegen aber einiges zu wenn sie denn wollen. In dem Sinne: Guter Zug, mehr muss folgen.
Kommentiert von: pillepallee | 31. März 11 um 09:59 Uhr
Ich glaube Jochen freut sich auch darüber, dass nun E-Commerce deutlicher wahrgenommen wird und in der 'Erwachsenen-Business-Welt' angekommen ist:))...Auch richtig so!
Kommentiert von: Michael | 31. März 11 um 10:28 Uhr
@pillepallee genau :-) Zumal sich beide Parteien ja offenbar nicht wirklich grün waren.
@Claus Mir geht es dabei gar nicht so sehr um die Größe des Exits, sondern ob jemand den Ehrgeiz und den Willen hat, Märkte zu entwickeln und aktiv mitgestalten zu wollen.
Daran hakt es ja in Deutschland. Und dafür ist sowohl die Kombi Privalia-Dress-for-less als auch die Kombi Media-Saturn-Redcoon ein hervorragendes Beispiel.
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 31. März 11 um 10:55 Uhr
>sondern ob jemand den Ehrgeiz und den Willen hat, Märkte zu entwickeln und aktiv mitgestalten zu wollen.
Yep, das sehe ich genauso, aber dafuer sind eher KPIs wie z.B. Umsatzwachstum, Marktanteil usw. interessant und nicht, wer wieviel VC da reinballert und wer wieviel am Ende eincasht.
Dass MSH Redcoon gekauft hat, macht fuer den Markt und fuer die Entwicklung von MSH komplett Sinn. Die Tatsache, dass der Redcoon-Gruender jetzt einen dreistelligen Mio-Betrag auf dem Konto hat, ist evtl. fuer die Bunte interessant, aber die Transkation deswegen als gelungen zu bezeichnen, halte ich fuer falsch. Das gilt uebrigens auch fuer
D4L.
Kommentiert von: Claus | 31. März 11 um 11:29 Uhr
Hab ich jemals irgendwo geschrieben, dass ich sie deshalb für gelungen halte?
Der strategische Wert eines Exits ist nicht von seiner Höhe abhängig. Aber ich finde schon, dass Unternehmer, die extreme Risiken auf sich nehmen und damit Wert(e) schaffen, reichlich entlohnt werden sollen.
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 31. März 11 um 11:40 Uhr
Ja, hast Du:
"Nach Dress-for-less ist Redcoon der zweite, geniale Exit innerhalb weniger Wochen."
Ok, "genial" muss nicht "gelungen" bedeuten. :-)
Und natuerlich sollte jeder Unternehmer auch gut fuer sein Risiko entlohnt werden, aber darum geht es nicht. Sondern darum, ob man ein Businessmodell zum grossen Teil danach bewertet, wieviel VC reinfliesst und wieviel bei Exit bringt / bringen koennte.
Auch der Artikel ueber Indochino steht nicht etwa unter der Ueberschrift:
"Burda's Indochino waechst um Faktor 2,5 in 2010" sondern unter:
"Burdas Indochino holt sich weitere $4 Mio. für Maßanzüge"
Und weiter gehst's den groessten Teil des Artikels, wer wo wieder wieviel Mios reingesteckt hat. Ich dachte es heisst, ExcitingCommerce und nicht VC-inside. :-)
Kommentiert von: Claus | 31. März 11 um 14:08 Uhr
Alles eine Frage der Interpretation.
Um Ideen zu verwirklichen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Märkte zu gestalten (und darum gehts ja bei Exciting Commerce), braucht man nun mal Kapital. Aber nirgendwo steht, dass mehr Geld mehr hilft.
Gegenbeispiel: Auch die Brands4Friends-Gründer haben viel Geld bekommen, aber der Verkauf an Ebay war alles andere als genial :-)
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 31. März 11 um 14:20 Uhr
Aus heutiger Sicht auch ein Glück, dass der Verkauf von Redcoon an KarstadtQuelle Anfang 2006 nicht geklappt hat! Wer weiss, wo die sonst heute stehen würden...
Kommentiert von: Tom | 31. März 11 um 14:43 Uhr
Cool - dann läuft redcoon ja bestimmt bald auf magento - rotfl.
Sorry :-)
Kommentiert von: Guuter Freund | 01. April 11 um 00:38 Uhr
Vorsicht, das kann manisch werden ...
Wie alle Händler mit ernsthaften Online-Ambitionen setzt Redcoon auf eine Individuallösung http://www.life-style.de/cmd/173-redcoon-gmbh
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 01. April 11 um 01:16 Uhr
Wenn Media-Saturn die günstigen Preise bei Redcoon hält, das Design ein wenig aufpeppt, die Produkte etwas aufstockt und durch die Metro-Gruppe die Möglichkeit hat große Lager aufzubauen und so sehr schnell zu liefern, dann, aber auch nur dann, kann es echt ein großer Player werden!
Kommentiert von: johnsen | 01. April 11 um 11:56 Uhr
@Johnsen
Ich denke, dass RC gerade wegen des Designs, der kleinen Lager und der trotzdem schnellen Lieferung so erfolgreich ist. Da muessen sie nicht mehr viel aendern. Was denen wirklich helfen wuerde, waeren die Einkaufskonditionen von MSH. Ansonsten waere eine zu starke Annaeherung an MSH wohl eher schaedlich.
Kommentiert von: Claus | 01. April 11 um 14:17 Uhr
>>> Wie alle Händler mit ernsthaften Online-Ambitionen setzt Redcoon auf eine Individuallösung.
Rotfl - der war gut!
50% der TOP 100 Internetretailer in US nutzen IBM Websphere. Demnach haben die alle keine ernsthaften Ambitionen.
Was soll man sagen - da spricht der Fachmann.
Kommentiert von: Guuter Freund | 01. April 11 um 20:22 Uhr
:) Das kann gut sein. Aber darum gehts ja nicht. Wie hoch ist denn die IBM-Websphere-Quote bei den Pure Playern?
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 01. April 11 um 21:09 Uhr
Doch genau darum geht´s - aber da sind wir offensichtlich unterschiedlicher Meinung.
Die Pure Player sind doch nur Kanonenfutter für die wirklichen Player.
Kommentiert von: Guuter Freund | 04. April 11 um 18:26 Uhr
Amazon nehmen wir da momentan natürlich mal aus, aber ob die Pure Player bleiben...?
Glaube eher das die irgendwann High-End Multichannel machen werden.
Kommentiert von: Guuter Freund | 04. April 11 um 18:31 Uhr
offensichtlich :-) Zumal, wenn die "wirklichen Player" eint, dass sie beständig Marktanteile verlieren, bevor sie wie Quelle pleite gehen.
Time will tell.
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 05. April 11 um 00:02 Uhr
@alle: ich wiederhole mich ungern.. aber an diesem Deal war auch rein gar nichts genial..für die MSH.
Geblieben sind die Probleme der Markenführung. Wie einem M- oder S- Kunden klar machen, dass er ausserhalb der Ladenschlusszeiten nicht mehr kaufen kann? Auf redcoon verweisen? Kommunikationsbruch.. Also doch eigene online-Läden hochziehen.. Naja.. wenn man das Geld für Tripplizitäten hat..
Kommentiert von: Pierre | 25. April 11 um 12:33 Uhr