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Folgende Weblogs beziehen sich auf Otto-Bilanz 2010: Die Vergangenheit ist es, die zur Belastung wird:

Kommentare

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klare und gute Analyse. Das Verhaltensmuster des Managements ist das gleiche wie bei Karstadt und es ist traurig das grosse Unternehmen es nicht schaffen in Netz Trends zu setzen. Microsoft kann das auch nicht und hechelt hinterher, nur sind die in einer anderen Position und ihr Stammmarkt bricht nicht weg.

Weiterführende bzw. relativierende Einschätzungen dazu hat Martin Groß-Albenhausen http://www.mailorderportal.de/blog/artikel/article/berichte-ueber-unser-ableben-sind-durchaus-uebertrieben.html

Was mich immer wundert: warum finanziert man nicht seperwte eigenständige Startups oder gründet welche. Synergien kann man durch Beratung und günstigen Einkauf erzielen.
Dann sieht man ob's läuft oder nicht und wird nicht vom Kerngeschäft abgelengt. Und genau die Ablenkung die man wich spart macht die Mehrausgaben bzw Verlust wett.
Das gilt im übrigen für alle großen Firmen - wir könnten auch über BMW oder irgend was anderes schreiben. Diversifizieren ohne alles selbst zu machen. Aber das geht nicht denn überall in diesen Firmen sitzen schlaumeier die alles können wollen aber das ist ja überall so.

Hallo Jochen,

Otto tat in der ganz alten Welt gut daran, viele Entwicklungen und Trends nicht mitzumachen. Ein konsequentes Umschwenken auf eine Online-Strategie (Gerne parallel zum Katalog) wurde zu lange belächelt, nach dem Motto: Online ist ja nett, aber wir sehen doch dass es ohne Katalog nicht geht. Kein Wunder, dass Otto heute strategisch dem Rennen hinterherhinkt und - wie Thorsten Boersma schrieb - eher durch Ausschöpfung wächst, als durch echtes Wachstum.

Eins lässt mich aber hoffen für deine 5 Jahres-Prognose :-) Der Mensch lernt am ehesten über Schmerz und Otto ist da sensibel. Deswegen gibt es Otto auch noch i.V. zum einen oder anderen Wettbewerber. Der Weg wird holprig sein, mit Schmerzen verbunden, aber Otto wird ihn gehen (langsam, aber sicher :-) ), das lässt dich in den Entscheiungen und Entwicklungen der letzten Jahre durchaus absehen.

Der Vergleich mit Arcandor hinkt auf mehr als einem Bein... genau genommen sitzt er im Rollstuhl. Und ich maße mir einfach mal an, das beurteilen zu können - ich habe in beiden Konzernen gearbeitet. Bei Karstadt/Quelle als Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft; bei OTTO in den Neuen Medien.

Karstadt/Quelle war ein wilder Zusammenkauf nicht zueinander passender Unternehmen - ich erinnere mich noch gut an die Zeit in den Jahren 2001 ff., als man es in den Einzelgesellschaften gern mit drei Aufsichtsräten - einer von Karstadt, einer von Quelle, einer von Neckermann - zu tun hatte, die nichts Besseres zu tun hatten, als sich gegenseitig zu blockieren. Da ist OTTO als Familienunternehmen definitiv anders.

Bei Karstadt/Quelle wurde ein sehr begabter Kollege von mir im Assesment Center abgelehnt, weil er "zu dominant" war. Die besten Aussichten hatte, wer möglichst unauffällig buckelte. Auch das erlebe ich bei OTTO anders, wo Querdenken und Hinterfragen explizit erwünscht sind.

Und schlussendlich: Aus meiner Sicht sind es gerade die Nicht-Investments, die OTTO auszeichnen. Natürlich könnte man eine CopyCat nach der anderen mit Geld vollpumpen. Natürlich könnte man sein Geschäftsmodell alle naslang umstellen, weil irgendein neuer Samwer-Murks gerade gehyped wird. Aber man macht es eben nicht - weil man sich die Zeit nimmt, _erst_ zu beobachten und _dann_ zu investieren.

Es waren in der Geschichte seltenst die Early Innovators oder gar die Early Adopters, die das Rennen gemacht haben - das Geld wurde fast immer mit der Early und Late Majority verdient. Und genau da kommt OTTO her und genau da wollen wir auch bleiben.

Hanseatisches Kaufmannstum ist der Grund, warum es OTTO immer noch gibt - und das auch so bleiben wird. Mit oder ohne Katalog. Dazu fällt mir eine interessante Frage ein: Wenn ich wüsste, der Katalog als Vertriebsinstrument würde jedes Jahr X Prozent verlieren... mit welcher Strategie käme ich am besten voran? a) Sofortiges Anhalten der Druckerpressen, b) stetiges Zurückfahren der Auflagen oder c) mit der Suche nach einer neuen Rolle für ein altes Medium?

(Disclaimer: Ich leite für otto.de das E-Mail-Marketing und das Online-Service-Management; möchte jedoch darauf hinweisen, dass dieser Kommentar _einzig_ meiner ganz persönlichen Meinung entspricht.)

Der Vergleich mit Arcandor hinkt natürlich und sollte vor allem verdeutlichen, dass Konzernmanager von Handelskonzernen wie Arcandor, Otto, Metro, die sich in strategisch vergleichsweise auswegsloser Lage befinden, strukturell immer zu den gleichen strategischen Entscheidungen neigen, viel Neues anzetteln und ihr Heil jenseits der Grenzen suchen anstatt das Grundübel anzugehen und sich von überholten Geschäftsmodellen zu lösen.

Ich habe versucht, diesen Aspekt im Folge-Beitrag http://www.excitingcommerce.de/2010/06/otto-bilanz-2010.html ("Gelingt Otto der Evolutions-Sprung?") zu vertiefen.

Der Umstieg vom Katalog zum Internet ist ein Sprung. Und irgendwann muss dieser Sprung erfolgen, m.E. je früher desto später. Die Frage ist, ob Otto zu diesem Sprung fähig ist und wie gut er gelingen wird. Den Musikkonzernen ist er nicht gelungen, die Medienkonzerne tun sich mehr als schwer damit. Und die Handelskonzerne machen auch keine viel bessere Figur.

Meines Erachtens springt Otto sogar auf viel zu viele Trends auf. Das iPad zum Beispiel hat für Otto keinerlei Relevanz, solange das Unternehmen sein Geschäftsmodell nicht auf Vordermann gebracht hat. Das lenkt Manager und Mitarbeiter nur von der eigentlichen Aufgabe ab.

Und dass Otto so offen für Querdenker ist, kann ich leider auch nicht bestätigen. Auch da werden Bewerber aus der Startupszene, die ein bisschen frischen Wind in die Abteilungen bringen könnten, von der Personalabteilung sehr energisch gefragt: "Glauben Sie wirklich, dass Sie sich in der Otto-Kultur wohlfühlen könnten und dass die Kultur zu Ihnen passt?"

So wie die Presseabteilung ihre "Spielregeln" hat, an die man sich zu halten hat, hat auch der Konzern seine Spielregeln. Aber innerhalb der Spielregeln darf man natürlich extrem querdenken. Da stimme ich zu :-)

[Wobei man natürlich schon sagen muss: Arcandor-Mitarbeiter hätten nie hier und anderswo im Netz so frei ihre persönliche Meinung äußern dürfen, wie man das von Otto-Mitarbeitern gewohnt ist. Und das macht sie ja auch sympathisch :-)]

Hm. Da gibt es eine Aussage, die ich gerne mal eingehender beleuchten würde: "Der Umstieg vom Katalog zum Internet ist ein Sprung."

Warum sollte das so sein? Aus meiner persönlichen Sicht (und ich arbeite bei den Onlinern, denen ja viele eine natürliche Feindschaft zu den Offlinern nachsagen) wird sich nur die Rolle und Funktion des Mediums Katalog ändern, nicht jedoch sein Dasein selbst. Vom Bestell- zum Inspirationsmedium. Und das ist ein fließender Übergang - wobei die Flussgeschwindigkeit durchaus hoch ist. Aber ein Sprung? Nein, ein Sprung wäre in mehr als einer Hinsicht fatal.

Und dann zu den Querdenkern: Wer meine Vita kennt, weiß, dass ich alles Mögliche bin - nur kein Konzern-Mensch. Die Frage der Personalabteilung ist dennoch mehr als gerechtfertigt: Wer bei OTTO beginnen möchte, hat eben _nicht_ den Fokus auf grow&sell, auf den Easy Exit via IPO oder Sell-Out. Wer bei OTTO wirklich etwas tun will, der muss wissen, dass es sich um ein Familienunternehmen handelt. Mit entsprechenden Vor- wie Nachteilen. Und gerade deshalb unterscheiden wir zwischen Querdenkern und Querulanten; zwischen Opportunisten und Optimisten.

Und schlussendlich: Was die Spielregeln angeht... nun... Fortschritt liegt immer etwas außerhalb der eigenen Komfortzone, und wie ich jüngst am eigenen Leibe erfahren durfte: Das weiß dieser Konzern auch. Gottseidank :-)

Und, schlussendlich: Schade, dass du auf den Rest meiner Punkte nicht eingegangen bist - darüber hätte ich nämlich viel lieber diskutiert als über die OTTO-Personalpolitik :-)

Ich bin auch auf andere Punkte eingegangen, aber offenbar auf die Falschen ;-)

An den fließenden Übergang glaube ich einfach nicht. Der Übergang vom Katalog zum Internet ist für mich in etwa so fließend wie der Übergang von der Pferdekutsche zum Auto ...

Die eine (Verbreitungs-)Technologie wird durch die andere abgelöst. Natürlich ist man verführt, zunächst auf die Ähnlichkeiten zu achten. Letztlich sind aber die Unterschiede maßgeblich.

Zum Thema Evolutionssprung - vom Katalog zum Internet - empfehle ich auf jeden Fall, auch Martin Meinrenkens Beitrag dazu zu lesen http://shopanprobe.de/2010/06/katalog-und-internet-im-modehandel-nur-zwei-unterschiedliche-kanale/ - Das sind die (ebenfalls persönlichen) Ansichten eines ehem. Otto-Mannes, der aber immer noch in der Otto-Gruppe tätig ist. Und deutlicher kann man die Unterschiede nicht herausarbeiten.

Die Vergangenheit ist es, die für den Otto Konzern auch nach meiner Auffassung zur Belastung wird. Die lange „traditionelle“ Otto Versandhandelsgeschichte mit der gewachsenen Verwaltung und mit Ihren IT-Systemen passen mit Ihren gewaltigen Strukturen und Denkweisen nicht mehr in die schnelle digitale Welt von heute. Sie sind einfach zu langsam. Der Vergleich mit den ausgestorbenen Dinosauriern erscheint mir in diesem Zusammenhang, gar nicht so abwegig.

Hier helfen nach meiner Erfahrung keine fliesenden Übergänge, nur radikale Schnitte und eine Wandlung, vor allem in der Denk- und Handlungsweise. Schnellere kleinere Einheiten und lieber weniger Umsatz, aber am Ende des Jahres ein positives Ergebnis. Es gibt noch genug Ideen, die auf eine Umsetzung warten. Auch im Otto Konzern!

Hermes zum Beispiel geht in die richtige Richtung, wenn Sie sich öffnen und sich am Markt als Fulfillment Dienstleister positionieren. Das ist auch heute noch eine wertvolle Kernkompetenz und das kann Otto. In diesem Bereich ist die Versandhandelserfahrung Gold wert, da der Fulfillment Bereich und die Transportlogistik für alle Versender gleich ist. Egal ob Onlineshop oder traditioneller Versandhandel.

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