Exciting Commerce blickt immer gerne über Ländergrenzen. So haben wir schon sehr früh über den spannenden, französischen E-Commerce-Markt berichtet, der die internationale E-Commerce-Entwicklung mit Vente-Privée & Co. zuletzt maßgeblich beeinflusst hat.
Dem türkischen Markt ist Ähnliches zuzutrauen, weil die Bevölkerung dort extrem jung und aufgeschlossen ist. Deshalb freuen wir uns über die Einblicke in den türkischen Online-Markt, die uns Sina Afra, Managing Director von eBay Türkei / GittiGidiyor, in seinem zweiteiligen Gastbeitrag gibt.
Im ersten Teil hat er die rasante Aufholjagd beschrieben. Im heutigen, zweiten Teil geht er auf das türkische Online-Verhalten ein und zeigt auf, wo der türkische E-Commerce noch Nachholbedarf hat.
Das Online-Verhalten der türkischen Bevölkerung
Die wesentlichen Unterschiede im Verhalten der türkischen eCommerce User zu deutschen oder US-Amerikanischen Usern liegen in drei Bereichen:
- Erstens, die junge Alterstruktur der türkischen Online User. Die meisten sind unter 30 Jahre und haben keine eingefahrenen Gewohnheiten. So können sich Start-ups, die einen Vorteil in Warenauswahl, Preis oder Versand bieten, sehr schnell einen Vorsprung gegenüber den etablierten Spielern im Markt aufbauen.
- Zweitens, die hohe Kreditkarten–Penetration, die deutlich über der deutschen Penetration liegt. Dadurch werden die Online Geschäfte sofort „beglichen“ und die Prozesse laufen sehr schnell. So wird bei eBay Türkei eine Transaktion vom letzten Bieten auf den Artikel bis zum Erhalt des Artikels in max. 3 Tagen erledigt. Und das trotz eines Treuhandsystems, da in der Türkei alle Zahlungen über eBay abgewickelt werden.
- Drittens ist die Offenheit für Online-Geschäfte eine ganz andere als in den etablierten Märkten. „Trust“ ist immer noch ein wichtiges Thema, aber die zumeist junge Internet- und eCommerce-Population agiert durch die Offenheit, die sie mitbringt, anders und meistens sehr schnell. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Türkei ein Hochgeschwindigkeitsmarkt ist, am ehesten mit Korea vergleichbar.
Es gibt im eCommerce einige wenige türkische Weiterentwicklungen von bekannten Modellen. Ein vielzitiertes Beispiel ist das Pazartesi Sendromu ("Montagssyndrom"), eine Art woot.com Kopie, die aber durch kleine, aber intelligente Weiterentwicklungen eine eigene Identität entwickelt hat.
Chancen und Perspektiven im türkischen E-Commerce-Markt
Für die Zukunft werden wir im türkischen Markt Adaptionen von allen eCommerce-Modellen sehen, die auch in den großen Ländern bekannt sind. Und das Potenzial ist riesengroß, da einige eCommerce-Segmente noch weiße Flecken in der türkischen Internet-Landschaft darstellen.
Beispiele für diese weißen Felder sind Online-Apotheken, Online-Zahlungen (wie Paypal), Online-Services (z.B. Handwerkersuche), aber auch die Nischen in etablierten Segmenten, wie z.B. im Karriere–Segment. Dort gibt es etablierte Firmen, aber kein Unternehmen, welches das Thema Zeitarbeit anbietet.
Ähnlich sieht es im Online Advertising aus – die meisten Marktteilnehmer sind klassische Vermarkter. Neue Technologien wie z.B. Behavioural Targeting sind noch nicht da, aber werden wohl in Kürze den Markteintritt in den türkischen Markt vornehmen.
Die Türkei erinnert an den deutschen eCommerce Markt von 2005 – aber mit einem großen Unterschied. Die Bewegung nach vorne und das Aufschließen zu den anderen Ländern erfolgt in einer atemberaubenden Entwicklung und Geschwindigkeit.
Mehr Einblicke in den Zukunftsmarkt Türkei auch im ersten Teil des Gastbeitrags sowie in den Linktipps
Natürlich freuen wir uns über weitere Gastbeiträge zum Thema - zum Beispiel über die türkische Online-Szene in Deutschland. Wo kaufen Deutschtürken vorzugsweise ein? Welche Shoppingangebote wenden sich speziell an die türkischstämmige Bevölkerung? Mailhinweise sind herzlich willkommen
Frühere Beiträge zum Thema:






Inspiriert durch die Berichterstattung zum türkischen Markt haben wir als ersten schritt der auseinandersetzung einmal eine adwords-kampagne für die hiesige türkische community eingestellt. mal schauen, ob da auch potential ist.
Kommentiert von: Klaus-Martin Meyer | 09. Juli 09 um 16:58 Uhr
@Klaus-Martin Meyer
Falls Sie die deutsch-türkische Community meinen und nur eine Adword-Kampagne in türk. Sprache geschaltet haben, gehe ich stark davon aus, dass diese Kampagne nicht die Erkenntnisse bringen wird, die Sie sich erhoffen. Aber vielleicht habe ich Ihren Ansatz ja falsch verstanden ;-)?
Kommentiert von: Murat Icer | 09. Juli 09 um 18:55 Uhr