Der Buchmarkt hat ein sehr bezeichnendes Interview mit Michael Justus, dem kaufmännischen Geschäftsführer des S. Fischer Verlags, zum Preis von eBooks. Wäre es nicht so traurig, ist es sehr amüsant zu lesen, wie sich die Verlagsbranche gerade anschickt, dieselben fatalen Fehler zu begehen wie die Musikindustrie:
Ihre Alternative zum Selbstmord?
Als Ausweg sehe ich nur darin, aus E-Books echte Qualitätsprodukte zu machen, die dem Leser andere, aber genauso viele Vorteile bieten wie gedruckte Bücher: ein frei wählbarer Schriftgrad beispielsweise, komfortable Suchmöglichkeiten im Text, ein verlinktes Register, interaktive Elemente, vielleicht irgendwann passende Musikuntermalung oder was auch immer an Möglichkeiten, die gedruckte Bücher – oder Raubkopien! – nicht bieten können."
Es lebe der "frei wählbare Schriftgrad"! (Nicht nur) wer Kevin Kellys Buch zur Network Economy (s. vorigen Beitrag) liest, dem dürfte klar sein, wieviel eBooks auf absehbare Zeit kosten werden: so gut wie nichts.
Und wie genau dadurch eine Fülle von neuen Geschäftsmodellen und Erlösströmen entsteht. Vielleicht nicht für die Verlage, aber für selbstbestimmte Autoren wie Stephen Fry, der gerade kurz davor ist 100.000 Twitterfans zu begeistern.





Branchen-Protektionsimus...die wievielte Industrie stürzt sich da eigentlich ins eigene Messer ?
Nach Musik-, Film-, TV-, Newspaper- dann wohl die fünfte. Dabei hatten (und haben immer noch) die doch am meisten Zeit...
Aber wahrscheinlich ist die Verlagsbranche die verkrustetste - brancheninzest quasi. Hr. Justus darf aber sicher den Preis für den härtesten Betonkopf 09 frühzeitig abholen.
- Outcome, not income
- connectings not transactions
- people, not product
- creativity, not productivity
(c) U.Haque
Kommentiert von: xenon | 02. Februar 09 um 17:57 Uhr
ach ja: "Frei wählbarer Schriftgrad" nenn ich mal den USP des Jahrzehnts.
Reality check, someone?
Try mystery-shop your own products...
Kommentiert von: xenon | 02. Februar 09 um 18:17 Uhr
Nicht jeder in der Verlagsbranche denkt so gestrig! Dies als Wortmeldung von einem dort Aktiven.
Aber leider haben viele selbst Grundsätzlichstes noch nicht verstanden. Dieses Interview kann man sich einrahmen und als skurriles Zeitdokument aufheben.
Ebenso spannend ist das Thema "Der Anachronismus Buchpreisbindung":
http://leanderwattig.de/index.php/2009/01/31/der-anachronismus-buchpreisbindung/
Kommentiert von: Leander Wattig | 02. Februar 09 um 23:39 Uhr
Toller Beitrag!
Wurden der Buchdruck und Bücher nicht ursprünglich mal gepriesen, um Wissen und Literatur, etc. einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen?
Das ist das eigentlich Kuriose an der Argumentation. Nun kommen eReader, das Internet, etc., die für eine ungeahnte Verbreitung sorgen können.
Und dann wird argumentiert, wie man das verhindern kann. Ein Armutszeugnis!
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 02. Februar 09 um 23:51 Uhr
Danke!
Jene, die den Kulturauftrag preisen, denken mitunter am wenigsten an die Allgemeinheit, sondern eher an das eigene Auskommen. Dann ist da noch viel luftgestütztes Selbstvertrauen, das in einer vergehenden Massenmedienwelt gewachsen ist (kennt man auch von vielen Journalisten). Zu guter Letzt dominiert häufig ein sehr berechtigtes Gefühl der Bedrohung, dem kein Verständnis der neuen Zusammenhänge gegenüber steht.
Kommentiert von: Leander Wattig | 03. Februar 09 um 01:32 Uhr
P.S.: In dem Zusammenhang sehr interessant:
Kevin Kelly: Better Than Free
http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/01/better_than_fre.php
Kommentiert von: Leander Wattig | 03. Februar 09 um 01:38 Uhr
Einen interssanten Beitrag zum Thema E-Books und ihre Preise findet man auch auf dem Blog von XinXii: http://blog.xinxii.com/2009/01/19/ebook_preisbindung-2/
Kommentiert von: Mario | 03. Februar 09 um 23:12 Uhr
Haaaaaaaaaaaahaaaaaaaahaaaaaaahahaha! Ist das lustig. Das glaubt der nicht wirklich, oder? An seinen Chef: Feuert den Herren, der reitet Euch ins Verderben. Die Kosten, die die Buchindustrie einsparen wird, sind immens. Und die werden alle in den Preis weitergegeben! So sicher wie das Amen in der Kirche, sorry guys, die schöne Zeit mit Pfeife rauchen und so ist vorbei!
Kommentiert von: Wer diesen Schuss nicht gehört hat... | 05. Februar 09 um 02:29 Uhr
Das schlimme daran ist, dass Herr Justus kein Einzelfall ist. Die Chance, die der aufkommende E-Book-Markt für den (insgesamt stagnierenden) Buchabsatz hat, wird oft völlig ausgeblendet. Selbst kleinere, unabhängige Verlage, denen man mehr Innovationspotenzial nachsagen möchte, haben kühnste Vorstellungen. "Ich kann meine aktuellen Bücher nicht als E-Book anbieten, dann verkaufe ich ja keine gedruckten Bücher mehr" ist ein Zitat, dass zeigt, wo man gedanklich steckt. Dass Amazon pro verkauftem E-Book 1,7 gedruckte Bücher mehr verkauft, scheint da auch nicht zu interessieren. Schade.
Kommentiert von: readbox | 05. Februar 09 um 09:51 Uhr
"passende Musikuntermahlung" - das wäre für mich eher ein Grund lieber die gedruckte Version zu kaufen ;-)
Kommentiert von: ebook reader | 07. Februar 09 um 14:43 Uhr