Unter Innovationsgesichtspunkten war 2008 ein verlorenes Jahr. Nach guten Impulsen in den Jahren 2005, 2006 und 2007 war 2008 das Jahr der Nachahmer und Trittbrettfahrer.
Im wesentlichen ließen sich drei Fehlentwicklungen beobachten:
- Das Jahr der Trittbrettfahrer: Unzählige Nachahmer, vor allem im Live & Event Shopping Bereich, verstellen den Blick aufs Wesentliche; viel zu viel Altbackenes und Unausgegorenes auch im Social Commerce Bereich. Niemand macht sich mehr die Mühe, die Erfolgsfaktoren neuer Konzepte und Businessmodelle wirklich zu verstehen
- Das Jahr der Risikoscheuen: "Risiko"-Investoren machen es sich extrem einfach und wollen auf Nummer Sicher gehen. Innovation stört nur und wird kaum noch gefördert, ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Innovationszyklus zu Ende geht.
- Das Jahr der Möchtegern-(Mit-)Macher: Peinlich wird es immer dann, wenn sich Internetgründer der ersten Generation ("Die Google Generation") an Konzepten der zweiten Internet-Generation ("Die MySpace Generation") versuchen. 2008 gab es leider viel zu viele Versuche davon.
Dummerweise lassen sich die drei Fehlentwicklungen dann auch noch kombinieren - und so müssen wir mitansehen, wie innovationsscheue Investoren Trittbrettfahrer fördern und diesen dann Internetexperten der ersten Generation beratend zur Seite stellen. Der Innovations-GAU ist vorprogrammiert.
Dabei stecken noch alle Exciting Commerce Bereiche in den Kinderschuhen. Bleibt zu hoffen, dass nach den dürren Jahren spätestens 2010 ein neuer Innovationsschub kommt.
Frühere Beiträge zum Thema:














Hallo Jochen,
von mir schon mal so kurz vor dem Jahresabschluss ein großes DANKESCHÖN für ein Jahr 2008 mit vielen interessanten Blogbeiträgen.
Gerade deine beiden neuen Blogs sind immer sehr interessant und jeden Tag einen Blick wert.
So hat wenigstens einer 2008 genutzt um etwas sinnvolles Neues zu starten ;0)
Zum Thema Liveshopping möchte ich auch noch kurz was los werden:
Klar ist das 2009 wieder einige Anbieter ihre Seiten schließen werden. Das Angebot ist einfach zu Groß, die Qualität auf Dauer bei einigen zu schlecht und die Liveshoppingfans einfach zu wenige.
2008 war wohl das Liveshopping Jahr in Deutschland. Es wurde des öfteren in den Medien darüber berichtet und 2-3 Anbieter haben sich tatsächlich etwas etabliert.
Doch wenn man sich diese Anbieter mal genauer ansieht, könnte man fast denken das ihnen so ein bisschen die Luft ausgeht. Es werden immer öfter Artikel die gut gingen wiederholt - was die Community nervt, die Preise werden schlechter - was die Community sofort merkt weil es von einigen ein Hobby ist einen besseren Preis im Netz zu finden und sofort bei den Kommentaren zu veröffentlichen.
Schlechter Service, lange Lieferzeiten und viele andere Probleme scheinen immer mehr Anhänger zu vergraulen.
Aber so ein Liveshoppinganbieter lebt von seiner Community, weil Kunden die nur 1 Mal im Monat drauf schauen in der Regel wohl kaum das richtige finden.
Meine Prognose für 2009:
Der Pate wird nicht der letzte größere Anbieter gewesen sein, der den Laden zu macht, auch wenn's mir leid tun würde für jeden. Ich glaube aber es wird eine Überraschung geben!
Übrigens:
2009 werden auch wir wieder einen neuen Shop starten. Es wird keine Innovation sein, aber er wird Spaß machen, rentabel sein und es gibt überraschenderweise kaum andere Anbieter in diesem Segment. Mann könnte fast schon von einer kleinen Marktlücke sprechen.
Meine Devise ist ja:
Lieber 1 Mio. Umsatz im Jahr und 100.000EUR Gewinn anstatt 10 Mio. und nur Verluste. ;0)
Ein frohes Weihnachtsfest wünsche ich und ein erfolgreiches Jahr 2009.
Kommentiert von: Tobias Spill | 19. Dezember 08 um 09:53 Uhr
"Niemand macht sich mehr die Mühe, die Erfolgsfaktoren neuer Konzepte und Businessmodelle wirklich zu verstehen."
Diesen Eindruck habe ich allerdings auch. Es mag aber auch daher kommen, dass die guten Geschäftsmodelle alles andere als trivial sind und es ohne Vorwissen im E-Commerce schwierig ist zu bestehen.
Kein Radfahrer kommt auf die Idee einen neuen Automotor zu entwickeln, aber 2008 haben wir das im E-Commerce Startup Bereich sehr oft gesehen.
Ich denke 2009 wird im Vergleich zu 2008 eher das Jahr der Nachhaltigkeit.
Vielen Dank auch für deine sehr guten Blogbeiträge 2008 und das nette Featuring von Kassenzone.
VG
Alex
Kommentiert von: Alex | 19. Dezember 08 um 14:37 Uhr
Das Jahr 2008 hat viele E-commerce Projekte auf den Boden der Realität zurück geholt. Was in den USA als Hype beginnt, endet hier meist in der "Versenkung". Für 2009 bietet das den rentablen Projekten die Möglichkeit, ihren Marktanteil weiter auszubauen. Ein solider Businessplan ist eben wichtiger als ein paar nette Berichte in der Presse. Trotzdem sind einige Ansätze auch für den einen oder anderen Anbieter interessant, um daraus für sich ein weiteres Alleinstellungsmerkmal zu machen.
Kommentiert von: Mark | 19. Dezember 08 um 14:52 Uhr
2009 wird ein Schlachtefest. Diejenigen die in 2008 zu unvorsichtig waren und zu viel für Traffic und neue Mitglieder ausgegeben haben, werden sich selbst in 2009 den vernüftigeren, die nun noch Budgets haben, zum Frass vorwerfen dürfen.
Kommentiert von: Steffen | 19. Dezember 08 um 16:05 Uhr
Es bleibt dabei: profit is the name of the game. Am Ende entscheidet der Kunde, und diese Entscheidung sollte man akzeptieren.
:-)
Ich finde die Diskussionen hier meistens amüsant, manchmal informativ, manchmal nervend. (Immer dann nervend, wenn wieder ein Hype, wieder eine Sau durch Dorf.. etc.)
Nachhaltiges profitables Wachstum bitte, ansonsten bedeutet 2009: Kopf ab. Ist das schlecht? Nö.
Frohe Weihnachten und guten Rutsch und vielen Dank an das EC Team für Ihr ständiges Bemühen. PP
Kommentiert von: pilleepallee | 19. Dezember 08 um 16:50 Uhr
Viele der in 2008 neu gestarteten Anbieter werden wohl im Flautejahr 2009 mangels ausreichender Kapitaldecke und Stammkundschaft untergehen. Andererseits werden die über den Teich geschwappten Konzepte mehr und mehr in klassische Online-Shops einfließen und dort für mehr Leben und eine bessere Identifikation der Zielgruppe mit dem jeweiligen Anbieter sorgen.
Richtig ist aber, dass nicht jedes der z.T. gehypten Konzepte auf eine ausreichend große Zielgruppe stößt, um mehrere Anbieter dauerhaft tragen zu können.
Kommentiert von: Robert Fischer, sandoba.de | 19. Dezember 08 um 21:05 Uhr
Wow. Mit sovielen Kommentaren hätte ich in diesem Fall gar nicht gerechnet. Bei dieser Gelegenheit auch von meiner Seite vielen Dank allen, die sich immer wieder aktiv (und konstruktiv;-) in die Diskussion einbringen.
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 19. Dezember 08 um 23:54 Uhr
Schade um die verlorene Zeit, aber das Internetleben geht weiter und ich persönlich denke, dass das Jahr 2009 wesentlich mehr Innovation im Bereich des Online Marketing mit sich bringt, als das letzte. Reine Gefühlssache..
Kommentiert von: Mike | 20. Dezember 08 um 11:23 Uhr
Obwohl ich sicher erste Generation bin, finde ich die unheilvolle Kombi fantastisch auf den Punkt gebracht (Nachbau->VC+1.Gen).
Kritisch bemerkt: es gibt nicht den einen Weg nach vorne. Es gibt nur noch viele "Räume". Die 1. Generation eCommerce ergänzt um die Zweite, kann auch ohne innovativ zu sein, Geld machen. Wir haben es immer mit sehr verschiedenen Kundengruppen und Ihren spezifischen Ansprüchen zu tun. Schließlich heisst es ja Commerce :-)
Das funktioniert natürlich nur - und da muss ich Dir voll recht geben - wenn man die Ursache, die innere Triebkraft der Innovation versteht.
Kommentiert von: KMTO | 20. Dezember 08 um 11:28 Uhr