Bernd Skiera, Professor für E-Commerce an der Universität Frankfurt, hat für seinen bemerkenswerten Vortrag beim Pangora-Kongress analysiert, warum Swoopo (vorm. Telebid) abhebt, und Luupo nicht.
Bernd Skiera befasst sich seit den frühen Internettagen mit dynamischen Preismodellen im E-Commerce, und seiner Meinung nach liegt es am grundsätzlichen Design des Pricingmechanismus.
Beide Anbieter setzen auf "Auktionen mit Gebotskosten", bei Swoopo steigen die Preise mit jedem Gebot, bei Luupo fallen sie. Während Luupo erst bei hohem Traffic und entsprechend vielen Bietern optimal funktioniert, gibt es bei Swoopo die besten Schnäppchen vor allem dann, wenn nur wenige Nutzer mitbieten. Entsprechend bietet Swoopo das schnellere Erfolgserlebnis und in der Startphase das größere Potenzial für positive Mundpropaganda.
Folgt man den Ausführungen, dann dürfte auch Rabattschlacht ein Problem haben. Und das Team hat ja auch schon reagiert und begonnen, die Nachfrage besser zu kanalisieren. Andererseits zeigen aber auch Anbieter wie Schnellig, dass steigende Preise nicht in jedem Fall der Schlüssel zum Erfolg sind und man auch ein Verkaufsmodell mit steigenden Preisen unglücklich designen kann (s. Trafficvergleich).
Im April hatten wir die wichtigsten Anbieter dynamischer Preismodelle (Luupo, Swoopo, Rabattschlacht, 1-2-3.tv, etc.) bei unserem Spezialworkshop (s. Vorbericht und Nachbericht) in München versammelt.
Die damaligen Diskussionen haben gezeigt, dass sich sinkende Preise besser fürs Live Shopping eignen, weil die Aktion sofort zu Ende ist, wenn sich der Nutzer entscheidet, während steigende Preise sicher Vorteile haben, um einen "fairen" Preis zu bestimmen.
Bernd Skiera, der den Siegeszug des Auktionsmodells im E-Commerce (s. Top 10 Shops) schon vorhergesagt hat, als von Ebay noch keine Rede war, vermisst den stärkeren Einsatz von dynamischen Preismodellen im E-Commerce ebenso wie im Touristik- und Finanzbereich. Erfolgreiche US-Anbieter wie Priceline haben es nie auf den deutschen Markt geschafft.
Interessant auch: Während klassische Auktionen wissenschaftlich extrem gut erforscht sind, gibt es laut Bernd Skiera kaum Untersuchungen zu Auktionen mit Gebotskosten.
Frühere Beiträge zum Thema:






Gab es nicht den Versuch in Deutschland priceline zu übertragen? Die Firma nannte sich glaube ich "ihrpreis.de" Beste Grüße PP
Kommentiert von: pilleepallee | 08. November 08 um 13:34 Uhr
Beide Modell benötigen eine kritische Masse an Nutzern, damit sie funktionieren. Luupo für das positive Kauferlebnis, Swoopo für das positive Unternehmensergebnis. Gewinner ist vor allem der mit dem von Beginn an besseren Online Marketing. Die Verklärtheit der Experten in Sachen "Mundpropaganda" ist immer wieder erschreckend. Noch in Telebid-Zeiten hat man es früh verstanden KnowHow-Träger in Sachen Online Marketing zu binden und die vorhandenen Gelder zum Wachstum über die enstprechenden Kanäle zu nutzen. Das macht für mich den wirklichen Unterschied aus.
Kommentiert von: CBS | 10. November 08 um 18:41 Uhr