Die traditionellen Versender hinken Online-Versendern in ihrem Internetverständnis weiter drei bis fünf Jahre hinterher (Extrembeispiel: Quelle).
Nirgendwo wurde dies deutlicher als auf dem Versandhandelskongress, auf dem beide Welten quasi unvermittelt aufeinandertrafen - und kaum noch eine gemeinsame Sprache fanden.
Während sich die Onlinebranche in den letzten Jahren komplett neu erfunden hat, gilt es im klassischen Versandhandel immer noch für "das Internet" zu werben.
Obwohl der Kongress diesmal mit einem extrem progressiven Programm aufwartete, machte dies die Diskrepanz und das gegenseitige Unverständnis nur um so deutlicher.
Der Versandhandel klammert sich an sein Geschäftsmodell und versucht es mit aller Gewalt zu retten. Impulse von außen werden immer als Störung, niemals als Chance empfunden.
Während Andreas Weigend ("People & Data") in seiner Keynote argumentierte, dass die Kontrolle über die Daten künftig beim Kunden liegt, hält der bvh-Geschäftsführer nur zwei Vorträge später ein flammendes Plädoyer für den ungehinderten Adresshandel (sprich: den Handel mit persönlichen Daten), weil sonst "unser Geschäftsmodell" in Gefahr ist (mehr bei ONEToONE)
Aktuell merkt man dem Kongress an, wie die Programmgestalter versuchen, am Puls der Zeit zu bleiben und Perspektiven zu eröffnen, das Publikum aber (noch?) nicht mitzieht.
Im Prinzip bräuchte es zwei Versandhandelskongresse. Auf dem einen könnten sich die Nostalgiker weiter selber feiern und ihre Wunden lecken, auf dem anderen könnte dann umso ernsthafter über aktuelle Strömungen und die Rolle des Versandhandels in der Zukunft nachgedacht und diskutiert werden.
Denn das Faszinierende ist ja: Die Versandhandelsbranche ist - im Gegensatz zur Medien- oder Werbebranche, die einzige Branche, für die das Internet echtes Wachstum bedeutet.
Frühere Beiträge zum Thema:







Ich war auf selbigen Kongress und habe mich in der Hauptsache für Online und eCommerce interessiert. Ich war übrigens in einer der Fachkonferenzen, die Sie moderiert haben. Zum anschließenden Plausch hat es mir leider nicht mehr gereicht.
Ich möchte Ihre Ansicht teilen, wenn ich es auch nicht ganz so dramatisch sehe. Auf dem Kongress sind wirklich Welten aufeinander getroffen, die nicht so recht miteinander können. Der thematische Spagat war enorm. Jedenfalls habe ich feststellen können, dass kleine Spezial-Versender, die aus dem Online-Bereich kommen, den klassischen Versandhändlern den Rang ablaufen.
Kommentiert von: Patrick Schnabel | 03. Oktober 08 um 13:37 Uhr
Das auf so einem Kongress Welten aufeinander stoßen, finde ich nicht schlimm bzw. das macht ja gerade den Reiz aus. Da muss man nicht mal nach Wiesbaden; in einigen klassischen Versandhandelsunternehmen prallen intern diverse Welten aufeinander und zwar täglich.
Ist auch kein Problem an sich; schlimm wird es nur, wenn man in solchen Unternehmen über alle Fronten hinweg eine gemeinsame Sprache verloren hat, mit der man eigentlich unter bewusster Anerkennung aller Brüche das Business der Zukunft beschreiben und entwickeln müsste (Wettstreit der Ideen).
Wenn sich Katalogverteidiger und eCommerce-Prediger aber unversöhnlich, unreflektierend und mit Hybris bewaffnet gegenüber stehen, wird es kritisch.
Es gibt nicht nur die eine Wahrheit, man muss nur die Augen und Ohren aufmachen. Und als Unternehmen registrieren, dass vielleicht so manche Perle unter den Mitarbeiter/innen arbeitet, die mehr zur Lösung von strittigen Zukunftsfragen beizutragen hat, also so manch politisch versierter Manager (Open Source ist ein tolles Konzept!). Das ist eine absolute Kulturfrage in einem Unternehmen und an dieser wird sich in den kommenden Jahren mehr entscheiden, als aufgrund von Börsenkursen, Kongressen und Pressemitteilungen.
Kommentiert von: cc baxter | 03. Oktober 08 um 16:55 Uhr