Die Welt am Sonntag hat ein ausführliches Interview mit Matthias Graf von Krockow, der sich als Chef der Kölner Sal. Oppenheim Bank in der letzten Woche die Mehrheit am Arcandor-Konzern gesichert hat (s. Focus Online: So schnell ist ein Vermögen futsch).
Einem Pressebericht zufolge spielt Arcandor momentan auf Zeit. Arcandor bestreitet dies. Und auch der neue Großaktionär versucht, die Gemüter zu beruhigen:
"Middelhoff macht einen sehr guten Job. Er denkt unternehmerisch, ist visionär, hat Ideen und kann überzeugen. Ohne Thomas Middelhoffs Arbeit gäbe es dieses Unternehmen wahrscheinlich schon lange nicht mehr. Middelhoff ist nicht das Problem, er ist die Lösung."
Sal. Oppenheim strebt den Vorsitz im Aufsichtsrat an. Strategisch bleibe alles wie gehabt. Wertsteigerung statt Zerschlagung sei die Devise:
"Arcandor ist sehr gut ausgerichtet mit seiner Drei-Säulen-Struktur. Ich bin sicher, dass die Warenhäuser in Zukunft wieder Geld verdienen werden. Der Versand hat vor allem in Osteuropa, im Internet oder mit dem Shoppingcenter HSE24 glänzende Aussichten. Und Thomas Cook ist eine Perle."
Passend zu den Einschätzungen der ARD ("Wer glaubt noch Arcandor?") sind allerdings die Arcandor-Immobilien wieder auf dem Markt.
Ein zweites großes Interview ("Die Zeit der Geschenke ist vorbei") mit Arcandor-Vorstand Helmut Merkel gibt es im China-Sonderheft der Wirtschaftswoche. Dort dreht es sich um die Einkaufspolitik des Konzerns.
Pikantes Detail am Rande: Erstmals sorgt sich ein führender Bankmanager öffentlich um die Ersparnisse der Privatanleger:
"Die Staaten müssen Garantien für (...) die Kunden- und Spareinlagen übernehmen. Der Einlagensicherungsfonds der Banken ist für einzelne Unfälle konzipiert worden. Aber nicht für eine Massenkarambolage, wie wir sie derzeit sehen."
Das Handelsblatt hatte zuletzt entsprechende Expertenstimmen noch zensiert (s. Rechtfertigung). Eine schöne Glosse über "die Wirtschaftspresse in der Krise" findet sich aktuell in der Zeit ("Deutsche, kauft Hunde!")
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Naja, soviel Sorgen würde ich mir um die Zukunft von Arcandor nicht machen. Ich denke im schlimmstem Fall kann man es immer noch "filetieren" und in Einzelteilen verkaufen. Karstadt und Quelle wird es sicherlich auch in Zukunft noch geben.
Kommentiert von: Jojo | 05. Oktober 08 um 14:20 Uhr