Just nachdem Ebay seinen Strategiewechsel verkündet hat - und der Zug endgültig abgefahren ist, drängt nun auch Quelle forsch in dieselbe Richtung - und will vollends vom Händler zum virtuellen Versender werden.
Wir sehen nun also fünf große Anbieter (Amazon, Ebay, Quelle, Otto und Neckermann), die alle auf dasselbe Pferd setzen - und Deutschlands größter Online-Gemischtwarenversender werden wollen.
Geht man einmal davon aus, dass der Online-Markt auf Dauer maximal drei Universalisten verträgt, und nimmt man weiterhin an, dass Amazon und Ebay als schon etablierte Online-Marken bereits gesetzt sind, so hat Quelle eine maximal 33% Chance auf Platz 3.
Die Chance auf den Spitzenplatz liegt entsprechend weit darunter. Bezieht man Otto mit ein und geht von einem Viererfeld aus und bedenkt man weiter, wie Quelle technologisch und personell aufgestellt ist und wie es weiterhin durch den Katalog gehandicapt ist, dann sinkt der Wert schnell von 25% auf eine Aussenseiterchance von maximal 10%.
Was soll man also von einem Unternehmen halten, das der Öffentlichkeit (und seinen Mitarbeitern!) eine Strategie präsentiert, die, wenn überhaupt, eine 10%ige Aussicht auf Erfolg hat?
Wo bleiben die Category Killer?
So wie sich die "Großen" derzeit online gegenseitig auf die Füße steigen, könnte man fast meinen, der Markt sei bereits gesättigt - und es ginge nur noch um Verdrängung.
Doch der E-Commerce-Markt wird in den kommenden Jahren explodieren, ganze Marktsegmente sind noch weitgehend unbesetzt:
- Laut ACTA-Analyse kaufen heute erst 25% der Bevölkerung regelmäßig online ein.
- Der Rest bestellt ab und an, viele jedoch noch gar nicht online.
- Frauen sind laut bvh-Zahlen im Online-Handel weiterhin extrem unterrepräsentiert.
Wer es also schafft, sich online einzigartig zu positionieren und Kunden (Frauen!) mit attraktiven Online-Angeboten dauerhaft zu binden, hat weiterhin beste Aussichten. Und selbst wer - wie viele Katalogversender - die aktive Kundenansprache und die intensive direkte Arbeit mit den Kunden scheut, hat noch Chancen.
Denn vollkommen unterrepräsentiert sind hierzulande marktprägende Spezialversender ("Category Killer"), also die Online-Äquivalente zu Media Markt, Obi & Co.
Notebooksbilliger hat die letzten Jahre vorbildlich gezeigt, was möglich ist und als unabhängiger Versender den Online-Markt für Elektronik aufgemischt wie kein anderer. Spätestens in zwei bis drei Jahren dürfte Notebooksbilliger die Umsatzmilliarde geknackt haben. In England weist Asos den Weg im Modebereich, in den USA Zappos bei den Schuhversendern.
Zu derlei Strategien gehört natürlich eine extreme Fokussierung (Asos stockt sein Einkaufsteam gerade von 150 auf 300 Mitarbeiter auf), ein langer Atem, hervorragende Kenntnis des Online-Markts und entsprechend hohe Online-Kompetenz in allen Abteilungen. Also alles, was Quelle & Co. fehlt.
Aber wenn auch aus der Not geboren, entschuldigt dies die Bekanntgabe einer mehr als fragwürdigen Nobrainer-Strategie ("Wir tun das, was alle tun"), die komplett am (Online-)Markt vorbeigeht und für die sich jeder BWL-Erstsemester zu schade wäre?





Nobrainer...haha der gefällt mir - endlich eine realistische einschätzung.
BTW - category-Killer: Fahrrad.de?, Globetrotter? (mit fast perfektem Multichannel) ...ganz so düster is nicht
Kommentiert von: xenon | 15. September 08 um 20:19 Uhr
Naja, unter "category killer" (zumal für Frauen ;-) stelle ich mir dann schon noch etwas anderes vor.
Zooplus ist auf einem ganz guten Weg ...
Es ist nicht so, dass es nicht in allen Sortimentsbereichen schon (gute) Versender gäbe. Aber marktbeherrschende Vertreter, die es wirklich wissen wollen, sind derzeit noch kaum auszumachen.
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 15. September 08 um 20:53 Uhr
Solange der deutsche Internetkäufer in erster Linie billige oder immer noch billigere Preise von hochwertigen Markenartikeln im Internet sucht, wird die Luft sehr dünn bleiben für "category killer", die so etwas wie Vollsortimenter sein wollen. Ob bspw. Notebooksbilliger den Run auf seine günstigen Notebookangebote auch auf andere Produktkategorien bei Elektronik übertragen kann, sei mal dahin gestellt.
Kommentiert von: cp | 15. September 08 um 21:05 Uhr
Was macht zooplus aus Sicht von excitingcommerce besser als andere, bspw. fahrrad.de ?
Kommentiert von: Frank | 15. September 08 um 23:13 Uhr
Zooplus hat sich von der Konkurrenz abgesetzt und ist in seinem Marktsegment klarer Marktführer, während sich im Fahrrad-, Outdoor- und vielen anderen Bereichen noch keine klare Nummer 1 herauskristallisiert hat.
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 16. September 08 um 07:20 Uhr
Naja, aber gerade bei zooplus muss man 2 dinge anmerken: zooplus steht zahlenmäßig nicht wirklich rosig da und wenn fressnapf den online-kanal bedienen würde, wäre aus mit category killer.
Kommentiert von: xenon | 16. September 08 um 08:59 Uhr
Wenn Zooplus "nicht wirklich rosig dasteht", dann steht aber auch Amazon "nicht wirklich rosig da" ;-)
"Würde" zählt nicht. Fressnapf ist kein Versender - und hätte durch seine Vertriebsstruktur online mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie Media Markt. Genau deshalb kann ihnen ja Zooplus online das Wasser abgraben ...
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 16. September 08 um 09:17 Uhr
> Fressnapf ist kein Versender ...
Na ob das so bleibt?
Kommentiert von: Guuter Freund | 16. September 08 um 10:26 Uhr
Fressnapf war einer der ersten mit online-shop...noch letztes jahrtausend. Da dort aber ein franchise-konzept für die Stationäre-einheiten gab, gibts die gleichen streitereien wie bei der media-saturn holding. Die stationären sind zu stark und wollen keine online-konkurrenz.
also hat fressnapf seit geraumer zeit keinen shop mehr....dicht gemacht.
Kommentiert von: xenon | 16. September 08 um 17:39 Uhr
soviel zum Thema Online Category Killer ;-)
Kommentiert von: Jochen (Exciting Commerce) | 16. September 08 um 19:57 Uhr
Wer mit einem Spezialshop eine solvente Zielgruppe bedient, kann jederzeit Randsortimente oder auch ganz andere Produkte, die für diese Käufergruppe interessant sind, dazu nehmen - das gibt die Technik der virtuellen Vorratshaltung heute nun mal her. Auch Kooperationen zwischen Versendern sind ja nicht erst in Zeiten des Internets möglich.
Wer jedoch aus der "toten Mitte" kommt, tut sich da viel schwerer.
Einen Mangel an Bezugsquellen gibt es für die meisten Produkte nicht und die echten "Knaller" werden über spezialisierte und immer häufiger exklusive Vertriebswege geliefert. Ein iPhone oder ein sehr guter Wein wird es nicht exklusiv bei Quelle & Co geben - damit fehlt ihnen jeglicher USP.
Billiger kann immer noch ein Kleinstversender, exklusiver geht es woanders auch zu und der Fachhandel gewinnt wieder mehr an Bedeutung, weil die Hersteller erkannt haben, dass es nur mit ihm (in Deutschland) geht.
Kommentiert von: wingthom | 17. September 08 um 12:11 Uhr
Quelle war der erste Großversender in Deutschland im Internet (Start August 1995), hat lange mehr Umsätze im Internet gemacht als Amazon und Otto und hat sich dann ab dem Jahr 2000 von den Großen UND Kleinen links überholen lassen.
Die Ursachen sind den Fachleuten bekannt:
1.) Ein inkompetentes Management, was darüber hinaus alle paar Monate/Jahre ausgewechselt wurde.
2.) Inkonsequentes Investitionsverhalten in die Multichannelstrategie - dusch mich, aber mach mich nicht nass (siehe H.O.T./HSE24, raus aus den Kartoffeln.. rin in die Kartoffeln)
3.) Kein Abholen neuer Zielgruppen bei GLEICHZEITIGER Bedienung der traditionellen Bestandskunden.
Gerade bei letztem Punkt hat die Totenglocke definitiv geläutet, denn die neue "Strategie" besagt, man wolle sich fast ausschließlich auf das Internet konzentrieren.
Der letzte macht das Licht aus !
Kommentiert von: Pierre | 17. September 08 um 17:07 Uhr
> Da dort aber ein franchise-konzept für
> die Stationäre-einheiten gab, gibts die
> gleichen streitereien wie bei der media
> -saturn holding. Die stationären sind zu
> stark und wollen keine online-konkurrenz.
Das ist das Dilemma - die Frage ist halt wieviel Power liegt in der Zentrale. Völliger Irrsinn diese Entscheidung in den Händen der Franchisenehmer zu lassen, dann nicht das Feld zu besetzten und es anderen zu überlassen. EP hat´s z.B. durchgesetzt und spielt zumindest mal vorsichtig mit, Euronics, Expert & Co. werden es wohl nicht weiterhin ignorieren können - hagebau hat schon gehandelt - obi kommt bald usw. usw.
Kommentiert von: Guuter Freund | 18. September 08 um 14:55 Uhr