Auch wenn der gesamte E-Commerce-Markt weiter stark wachsen wird, sind wohl nur die allerwenigsten der heute gut 50.000 (?) konventionellen Online-Shops auf Dauer überlebensfähig, sei es, weil sie zu klein sind, um profitabel wirtschaften zu können, weil sie bei den Marketingspendings nicht (mehr) mithalten können oder weil sie dem wachsenden Preisdruck nicht (mehr) standhalten können. Die wenigsten sind profiliert genug, um sich im knallharten Online-Wettbewerb behaupten zu können.
Entsprechend dürfte es in den kommenden Jahren zu einer extremen Konsolidierung des E-Commerce Marktes und bei den etablierten Shops zu einer Welle von Verkäufen, Zusammenschlüssen und Übernahmen kommen. Die letzten Übernahmen von Alphamusic/Flexist, Planet Sports & Co. zeugen davon.
Doch wieviel ist ein eingeführter Online-Shop wert? Im Shopanbieter-Blog bringt Jörn Steinhauer von Alphasystems den möglichen Kaufpreis auf die folgende, rein umsatzbasierte Faustregel:
- Kaufpreis = 0,5 bis 1,5 fache des Jahresumsatzes
In die Bewertung einfließen sollten neben dem Umsatz allerdings auch Faktoren wie die Umsatzentwicklung der letzten 12 Monate, die Umsatzrendite, das Verhältnis von Stammkunden zu Neukunden, die Konditionen zu den Lieferanten, etc.
Verblüffend ist ja, wie erstaunlich intransparent der E-Commerce-Markt in diesen Bereichen immer noch ist. Durch die Fülle von Mietshops, Powersellern, etc. kann niemand genau sagen, wieviele Online-Shops es in den unterschiedlichen E-Commerce-Segmenten überhaupt gibt, geschweige denn, was typische Umsatzerwartungen und Erfolgskriterien sind.
Sind es 50.000 Shops, wie der HDE seit Jahren propagiert? Sind es mehr, sind es weniger? Wo liegt ein Shop im Branchenvergleich? Wer genauere Erhebungen/Erfahrungswerte zu diesem Thema hat: Über Rückmeldungen dazu würden wir uns freuen.
Frühere Beiträge zum Thema:





Hi Jochen,
auch für mich ist das ein spannendes Thema, weil man doch gerne mal wissen möchte, was der eigene Shop eigentlich wert wäre, wenn man mal aussteigen und etwas anderes machen will.
Ich habe mal mit einem Investor gesprochen der mir sagte das man in der Regel das 10 bis 20-fache des Jahresgewinns als Kaufsumme ansetzen kann.
Und ich denke dass das auch einen fairen Kaufpreis darstellt.
Die Faustregel mit dem Umsatz ist für viele Onlineshops die z.B. im Technikbereich angesiedelt sind wohl eher nicht realistisch, da hier die Margen ja sehr niedrig sind auf Grund des starken Wettbewerbs (Preiskampf).
Am Beispiel LiveShopping kann man das aber auch guut ;0) einschätzen, wenn man ...bock ;0) dazu hat.
Witzigerweise fällt mir gerade auf, kommen wir mit unserem Shop (styleon.de) bei beiden Faustregeln auf ungefähr den gleichen Wert.
Scheinbar ist an beiden etwas dran.
Aber wichtig ist sowieso immer ob es einen Käufer gibt oder nicht.
Kommentiert von: Tobias Spill | 17. Juni 08 um 15:23 Uhr
Ein wichtiges Kriterium wäre für mich auch, wieviel aktive Mitglieder (Alle Mitglieder - Karteileichen) es in dem Shop gibt.
Besucher pro Tag im Webshop ist auch ein Kriterium. Immerhin birgt soetwas u.U. Potentiale.
Kommentiert von: Sebastian | 18. Juni 08 um 08:42 Uhr
Vielleicht sollte auch beachtet werden, wozu ein OnlineShop benutzt wird. Manche sind als Erlebnisclub (LiveSHopping, Mitgliederbezogen) konzipiert, andere auf puren Umsatz (Alternate.de) - wieder andere sind der multimediale Präsentationsteller einer Marke/Firma, in welcher man auch einen Shop hat.
Um aber im normalen Webshop Umfeld zu bleiben, ist eine ganz normale Investitionsrechnung ausreichend: Wann ist das Geld wieder drinnen, was ich investiert habe? Also wird wohl der Gewinn pro Jahr (+- Wachstumnspotential) als erster Anhaltspunkt gelten.
Kommentiert von: Wingi | 18. Juni 08 um 09:03 Uhr
"... dürfte es in den kommenden Jahren zu einer extremen Konsolidierung des E-Commerce Marktes ... kommen." Sicherlich. Aber dass es danach weniger Marktteilnehmer gibt, erwarte ich nicht. Viele werden verschwinden, und noch mehr Neue werden in der gleichen Zeit hinzukommen. Dass derzeit die wenigsten Onlineshops profitabel wirtschaften wird auch in Zukunft viele nicht davon abhalten, ihr Glück zu versuchen. Die Vorstellung, im Internet ohne viel Arbeit Geld verdienen zu können, ist für viele einfach zu verlockend. Wenn sich diese Erwartung dann als Trugschluss herausstellt, ist es schon zu spät, der Shop dümpelt eine Weile (vielleicht sogar ein paar Jahre) vor sich hin (vielleicht generiert er sogar eine Menge Umsatz, aber halt kaum Gewinn) bevor er schließlich aufgegeben wird. Dann stehen schon drei neue Shops vorm Start...
Kommentiert von: Martin Schröder | 18. Juni 08 um 14:41 Uhr