von
Matthias Hell
„Die Amazon-Empfehlungen waren nie gut, die
Kindle-Empfehlungen waren noch schlechter.”
Unter dem Titel „Nachrichten
aus der Steinzeit der Empfehlungsalgorithmen“ gibt Kathrin Passig bei
Neunetz einen Einblick in ihre Erfahrungen mit den Buchempfehlungsmechanismen
von Amazon – und liefert damit gleichzeitig eine überzeugende Begründung, warum
das Unternehmen im März die Buch-Community Goodreads für 150 Mio. Dollar
übernommen hat („Amazon
übernimmt Goodreads für bessere Empfehlungen“).
Discoverability
Goodreads-Alternativen:
Während die Übernahme aus Amazon-Sicht somit perfekten Sinn macht, tun sich viele
Goodreads-Nutzer eher schwer mit den neuen Eigentumsverhältnissen. Wie
Publishers Weekly berichtet, wurde die Community auch vom US-Buchhandel
genutzt, der sich nun nach Alternativen umschaut. Mit Riffle, Zola Books,
Bookish und BookLikes werden in dem Beitrag einige der interessantesten
Kandidaten vorgestellt.
Publishing Hackathon:
Der Hackathon zum Thema Book Discoverability, auf den wir bereits
hingewiesen hatten, hat vergangene Woche in New York stattgefunden. Auch
hier präsentierten sich viele spannende neue Dienste für webbasierte Buchempfehlungen.
Einen Überblick über die prämierten Teilnehmer gibt Paid
Content.
Bookish: Weniger
auf Algorithmen als auf den menschlichen Faktor in Form eines für
Buchempfehlungen zuständigen Redaktionsteams setzt Bookish. Buchreport
stellt die Buch-Community in einem ausführlichen Porträt vor.
Neue Vertriebsmodelle
Pottermore hat in mehr als einer Hinsicht in der
Publishing-Branche Standards gesetzt, meint Futurebooks
in einem mit guten Einsichten aufwartenden Kommentar zur Auszeichnung der
Harry-Potter-Plattform mit dem „Digital Strategy of the Year“-Award der
US-Buchbranche:
„In
engaging with the community digitally and reshaping what can be done around
that content, Pottermore is merely readying itself for the next stage.
It's a
publishing business that speaks directly to its audience, and engages with
these fans on a commercial level. It has their credit card details, it has
their data. Most importantly, it has their attention focused on a platform that
is infinitely extendable.
If you see this through the prism of Harry Potter you
might think 'so what', view it from the point of view of a publishing business
that has the right to exploit this intellectual property further, and it
becomes another thing entirely.”
Qantas: Die
australische Fluglinie wird zum Publisher. Unter dem Motto „Stories for Every
Journey” hat die Airline eine Reihe von kurzformatigen E-Books herausgegeben,
die Passagiere im Flugzeug kostenlos auf ihre E-Reader laden können. (via Publishing
Perspectives)
Bookrix: Die
Münchner Selfpublishing-Plattform hat zum fünftem Geburtstag nicht nur die
Möglichkeiten für Manuskript-Uploads vereinfacht, sondern auch einen mit 5.000
Euro dotierten Autorenpreis für das meistverkaufte E-Book ausgelobt. (via Die
Self-Publisher-Bibel)
Neue Erzählformen
Interaktive Romane: Der
via Kickstarter auf den Weg gebrachte interaktive Roman „The Numinous Place“
verbindet geschriebenen Text mit Video-, Audio- und Comic-Sequenzen und zählt
damit zu den am weitesten entwickelten Beispielen für das Genre. Doch werde auch
deutlich, dass interaktive Romane noch in den Kinderschuhen steckten und noch
weit vom Mainstream entfernt seien, meint Publishing
Perspectives.
Interaktiver
Schreibprozess: Die Interaktivität muss ja nicht immer gleich das literarische
Produkt betreffen. Der Autor Paul Bradshaw plädiert stattdessen für neue
Beteiligungsmöglichkeiten, die bei E-Formaten innerhalb des Publishing-Prozesses
entstehen. (via BBC
Blog)
Buchhandel im Umbruch
Thalia / Buch.de: Laut
dem Douglas-Zwischenbericht zur ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2012/13 (PDF)
stagnierte der Umsatz von Thalia knapp unter Vorjahresniveau, während die
Anzahl der Filialen, der Mitarbeiter und die Verkaufsfläche klar zurückgingen.
Die Online-Tochter Buch.de kehrte dagegen im zurückliegenden Quartal nach dem
enttäuschenden Weihnachtsgeschäft zu einem Wachstum von 10 Prozent zurück. (Pressemitteilung)
Thalia / Orell
Füssli: Michel Kunz, CEO der Schweizer Buchkette Orell Füssli, sieht in der
Fusion mit der dortigen Thalia-Landesgesellschaft das Potenzial, um Amazon
anzugreifen: Online- und Filialgeschäft sollen miteinander verzahnt werden und
E-Books in den Buchhandlungen zum Download angeboten werden. (via Buchreport)
Unter der Rubrik Buch/Handel 2020 bringen
wir jede Woche das Spannendste zu
den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche („Buchlos in die Zukunft“).
Frühere Beiträge zum Thema:
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